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Oktober und November

Tja, lange nicht mehr geschrieben, aber dennoch ist eine ganze Menge passiert. Wir haben die Möbel, von denen wir berichtet haben mittlerweile in unserer Wohnung und so langsam aber sicher sieht das ganze nach Wohnung aus.

Wir haben endlich unsere Social Security Card! Nach langem Warten sind wir noch einmal in das entsprechende Amt gefahren und haben mal nachgefragt. Unglaublich, aber es gibt Behörden, die sind schneller als die Polizei erlaubt: Die hatten die Karten tatsächlich schon geschickt, aber so schnell, dass der Postbote in unserer neuen Appartment Community sich wohl gesagt hat, die wohnen noch nicht hier (stimmte ja auch) und das ganze postwendend wieder zurück geschickt hat. Naja, nachdem wir ein wenig Spass mit dem Knaben auf der Behörde hatten (der war mal (1970) in Deutschland und sprach noch ein paar Brocken deutsch was für einen Ami recht ungewöhnlich ist, aber der Knabe war ein eher südländischer Typ und konnte sich denn auch noch diverse Frauennamen erinnern, die er angeblich alle als Frendin hatte und dafür musste er denn doch wohl deutsch lernen) haben wir einen neuen Antrag ausgefüllt und hatten dann knappe vierzehn Tage später tatsächlich unsere Social Security Cards im Briefkasten.

Dadurch werden aber nur manche Dinge einfacher. Da wir immer noch keinen Credit Record aufgebaut haben, können wir hier noch immer keine Kreditkarte beantragen oder in Geschäften das "Six month same as cash" ausnutzen. Aber eine normal debit-card haben wir jetzt von unserer Bank erhalten und mit der kann man in fast allen Geschäften bezahlen.

Eine Einweihungsparty hatten wir dann auch Ende Oktober. Wir hatten ein paar deutsche Studenten eingladen, Geri una Dan waren da, ausserdem unser Chef mit dreien seiner fünf Kinder. Unsere anderen Kollegen waren auch eingeladen, aber da hatten wir uns dann wohl ein schlechtes Wochenende ausgesucht, denn die Football-Mannschaft der Universität hatte an diesem Tag ihr home-coming und leider haben die Studis es vorgezogen, sich das Spiel und die Parade anzusehen. (home-coming steht eigentlich für das letzte Spiel der Saison der Mannschaft im heimatlichen Stadium. Danach hat es noch mehrere Spiele hier gegeben, die Amis verstehen ihre eigenen Sitten nicht....) Naja, die Studis wissen nicht wirklich was sie bei uns verpasst haben: Kartoffel- und Nudelsalat und gegrillte Bratwürstchen (die schmecken fast so wie deutsche Bratwürstchen). Und zum Nachtisch kam der Hit: Rote Grütze! Das Rezept habe ich auf der homepage der deutschen Botschaft in Washington gefunden. Das war äusserst praktisch, da da dann alle Zutaten in englisch angegeben waren und in amerikanischen Masseinheiten, so dass wir tatsächlich alles im Supermarkt gefunden haben was wir so brauchten. Dazu wollten wir Vanillesosse machen. Gibt es hier wohl nicht. Schliesslich und endlich habe ich einen Instant-Vanillepudding mit der doppelten Menge Milch angerührt, ging auch. Und alle waren ganz begeistert von unserem Nachtisch! Leider gibt es keine Photos von der Party, da keiner dran gedacht hat die Kamera mal zu betätigen. Schade.

Und dann war ich (Regina) eine Woche in Deutschland. Man glaubt es kaum, aber ich habe mit meiner Diss den Lise-Meitner-Preis des hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst erhalten. Wir haben uns den Preis mit drei Ingenieurinnen geteilt, aber es war eine nette Gelegenheit, noch mal nach Deutschland zu fliegen. Die halbe Zeit habe ich dann wieder auf dem Dachboden meiner Eltern zugebracht um Sachen zusammenzusuchen, die ich wieder mitschleppen wollte. Wieder zwei grosse Koffer mit genau 32 Kilo! (einer war wohl doch ein klein wenig schwerer, aber es hat sich keiner beschwert.) Am Flughafen beim Einchecken gab es dann noch mal was zu lachen: Ich wurde aus der Schlange herausgewinkt, Stichprobe, mein Gepäck sollte besonders kontrolliert werde. Ich dachte schon, na prima, aber der Flieger wird schon auf mich warten. Ich erwartete nämlich, meine Taschen total leeren zu müssen. Aber das blieb mir dann zum Glück erspart. Die Dame hat mich meine Taschen zwar öffnen aber nicht völlig ausräumen lassen. Nebenbei fragte sie mich die ganz normalen Sicherheitsfragen: Wer mein Gepäck gepackt hätte, wo mein Gepäck gewesen wäre seit dem usw. Dabei blätterte sie in meinem Pass herum, sah sich mein Visum und mein DS-2019 Formular (spezielles Visa-Formular zum Ein- und Ausreisen) an und fragte schliesslich: "Sagen Sie mal, warum steht bei Ihnen eigentlich nirgendwo ein Geburtsort?" Ich war völlig perplex, und meinte: "Wieso, der steht doch da: Leer, Leer in Ostfriesland." Das war der guten Frau aber peinlich. Wo deutsche Behörden einen Strich machen, um anzudeuten, dass es in einem Feld eines Formulars nichts einzutragen gibt, schreibt der Amerikaner "void" und "void" heisst "leer". Vielleicht bin ich deswegen auch so problemlos durch die Kontrolle gekommen...

Und dann hatten wir im November auch noch unseren ersten deutschen Besuch: Oliver war der erste. Gut, er hat da auch leichte Vorteile gegenüber allen anderen, da er häufig in die Staaten auf Besprechungen muss... Auf jeden Fall war er da. Wir haben ein nettes Wochenende miteinander verbracht, viel erzählt, den Whirlpool im Clubhaus ausprobiert, ihm die Stadt und die Uni gezeigt.... Aber die Zeit war viel zu kurz. Aber wir wissen jetzt, dass wir anderthalb Stunden mit dem Auto nach Cincinatti brauchen, falls wir dort noch mal jemanden abholen müssen. Und wenn man einen kleinen Umweg fährt, kommt man an ganz vielen schön gelegenene Pferdefarmen vorbei, die sehr characteristisch für diese Gegend sind.

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Regina Hannemann