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Welche Wohnung sollen wir bloss nehmen?

Am Mittwoch morgen sind wir dann natürlich nicht um halb acht an der Uni, sondern erst um kurz nach acht ;-). Trotzdem ist die Nummer immer noch nicht da. Aber schliesslich und endlich klappt es doch, nach dem unser Ansprechpartner noch zweimal telefoniert hat, wir wieder eine dreiviertel Stunde gewartet haben, sind sie endlich da: Jens und ich sind im Besitz einer vorläufigen Social Security Number. Wir können endlich alle Formulare zu Ende ausfüllen und sind gegen 10 Uhr mit allem Formalkram an der Uni fertig.

Da wir jetzt im Besitz unserer tollen Nummern sind, wollen wir ganz eifrig alles perfekt machen: Als erstes fahren wir also wieder zur Bank, um unser Konto mit den Nummern als vollwertiges Konto zu haben. Geht nicht! :-( Diese Social Security Nummer, um die wir zweieinhalb Tage gekämpft haben und von der wir dachten, es ist die einzige Form von Nummer die wir brauchen und bekommen, ist nur temporär von der Uni ausgestellt und hat für keine andere Firma Gültigkeit. Die Frau von der Bank gibt uns noch eine Telefonnummer unter der wir eine spezielle Steuernummer beantragen können, doch da meldet sich auch keiner.

Völlig gefrustet überlegen wir, was wir am besten machen können. Da kommt uns eine Idee: Wir sollten uns sowieso noch bei einer Teresa Keller melden, die unsere Visa-Anträge vorbereitet hat und an der Uni für Austauschwissenschaftler wie uns zuständig ist. Die hat bestimmt Ahnung, was wir am besten tun sollten!

Zunächst einmal wollen wir uns aber noch ein paar Appartment-Communities angucken, da wir so langsam aber sicher wissen wollen, ob wir am Wochenende in eine neue Wohnung einziehen können.

Damit ihr unsere endgültige Entscheidung für unser Appartment versteht, will ich kurz den generellen Aufbau einer amerikanischen Wohnung erklären: Im Normalfall kommt man in eine Wohnung und steht direkt im Eß- oder Wohnzimmer. Es gibt also keinen Eingangsflur oder so etwas. Man muss also darauf achten, ob es möglich ist, die Wohnung so einzurichten, daß es auch in unseren (europäischen) Augen gemütlich wird. Weiterhin sind im Normalfall Wohnzimmer, Eßzimmer und Küche eine Einheit. Es gibt also auf gar keinen Fall Türen zwischen diesen Räumen und meistens noch nicht einmal Wände, sondern das Eßzimmer wird nur durch eine Art Theke von der Küche abgetrennt und Wohn- und Eßzimmer sind nur durch eine gedachte Linie getrennt.

Dann gibt es da noch die Schlafzimmer. Ein offizielles Kinderzimmer wie in deutschen Wohnungen gibt es nicht. Die Anzahl der Schlafzimmer sagt aus, wie groß eine Wohnung ungefähr ist. Bei einem Schlafzimmer gibt es ein Badezimmer. Bei zwei Schlafzimmern gibt es häufig schon zwei vollständige Badezimmer (nicht nur ein Gäste-WC, sondern ein vollständiges Bad mit Badewanne). Bei drei Schlafzimmern gibt es dann schon häufig zweieinhalb Badezimmer, wobei dann das halbe Badezimmer so etwas wie das deutsche Gäste-WC ist.

Jens und ich wollten eigentlich eine 3-(Schlaf-)Zimmerwohnung. Da wollten wir dann ein Zimmer als Schlafzimmer, ein Zimmer als Gästezimmer (damit auch keiner eine Ausrede hat zu kommen ;-) ) und ein Zimmer als Arbeitszimmer einrichten. Soviel zu den amerikanischen Wohnungen.

In der einen Appartment-Community, die echt klasse aussah, waren zur Zeit leider keine Wohnungen frei. Die haben uns aber den Tip gegeben, zwei benachbarte Communities anzuschauen (Bisher hatten wir alle Adressen aus einem kleinen Heftchen "Appartment-Finder" herausgesucht). Diese zwei wollten Jens und ich uns dann noch anschauen, und waren schon fest überzeugt, dass wir schwer über unsere beiden bisherigen Lieblingswohnungen verhandeln müssten.

Die erste Empfehlung war dann echt toll. Aber leider recht teuer. Wir waren aber drauf und dran den hohen Preis (3-Zimmer Wohnung, ca. 120m2 für gut 1000 Dollar) zu zahlen. Aber wir wollten die zweite Empfehlung auch noch anschauen. Dort stellte sich heraus, dass hier nur 2-Zimmer Appartments (und 1-Zimmer, aber die standen nun wirklich nicht zur Debatte) zu haben waren. Aber da wir nun schon einmal da waren, haben wir uns die Vorführwohnung mal angeschaut. Und das war es: Zwei Zimmer, fast gleich gross, mit grossen Einbauschränken (in den USA braucht man meist keinen Kleiderschrank, da alle Wohnungen eingebaute, begehbare Schränke haben) und nur ein Badezimmer. Was soll die Platzverschwendung für ein zweites Bad? Dafür hatte dieses Bad 2 Waschbecken, 1 Klo, 1 Badewanne und - das ist bisher noch selten in den Staaten - 1 Dusche. (Nicht das Amis nicht duschen, aber normalerweise ist die Dusche über der Badewanne, fest montiert an der Wand und nur mit Duschvorhang, während diese Dusche eine richtige Duschkabine mit Plastikwänden hat.)

Dann war in dieser Wohnung auch die Aufteilung Küche, Wohnzimmer, Eßzimmer anders als wir es bisher gesehen hatten. Die Küche ist relativ klein und hat nur einen schmalen Durchgang (ungefähr so breit wie eine normale Tür) zum Wohnzimmer. Das Eßzimmer ist wie immer mit einer Theke auf der ganzen Breite mit der Küche verbunden, hat aber den Vorteil, dass auch von oben ein Stück Mauer heruntergezogen ist, so dass nur noch eine Durchreiche von ca. 60-70 cm Höhe übrig bleibt. Vor dem Wohnzimmer ist ein Balkon. Das Eßzimmer ist wie üblich nicht wirklich vom Wohnzimmer getrennt, aber so wie Küche und Balkon angelegt sind entsteht eine klare Trennlinie zwischen den Räumen.

Die Miete hier ist auch nicht so sehr hoch, ca. 750 Dollar wenn man unseren Unirabatt abzieht (Da wir an der Uni beschäftigt sind, können wir in vielen Appartment-Communities Rabatt bekommen). Die Küche ist, wie in diesen Wohnungen üblich, vollständig mit Vorratsschränken, Spüle, Spülmaschine, Herd und Kühlschrank (incl. grossem Gefrierfach) eingerichtet.

Der grosse Nachteil dieser Wohnung: Wir können erst am 11. September einziehen! Wobei "diese" Wohnung natürlich nicht die Vorführwohnung ist sondern eine andere. Die Wohnung, die am 11.09. bezugsfertig ist, ist im zweiten Stock, also ganz oben, und hat im Wohnzimmer einen Kamin, in dem man Holz verbrennen kann (im Gegensatz zu den Gaskaminen, die man hier auch häufig findet) und das Wohnzimmer hat eine höhere Decke, in die Dachspitze hinein, wodurch oberhalb des Balkons noch ein weiteres Fenster eingebaut ist, das die Wohnung schön hell macht.

Wir fahren also erst mal wieder ins Hotel und diskutieren, was wir wohl machen wollen. Aber eigentlich ist klar: Das ist die Wohnung für uns.

Vom Hotel aus versuchen wir dann zunächst, Teresa Keller zu erreichen, aber die ist heute nicht in ihrem Büro. Abends bringen wir dann noch das Mietauto wieder zum Flughafen zurück.

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Regina Hannemann