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Wie alles begann...

April 2002

Jens und ich müssen uns so langsam aber sicher mal was bezüglich neuer Jobs überlegen. Meiner läuft definitiv Ende August aus, und so wie es aussieht, ist Jens ab Anfang Mai wegen des neuen Hochschulrahmengesetzes auch arbeitslos. Also studieren wir die Stellenanzeigen in den Zeitungen und im Internet. Die USA sind eine Option, ein paar Bewerbungen an einigen Hochschulen laufen auch schon, aber bisher haben wir da noch keine Reaktion.

Mai 2002

Jens hat eine email von Bart erhalten (ein belgischer Doktorand, der im Winter 2001 Gastwissenschaftler in Kiel war), dass sein (Barts) Chef eine email erhalten hat, dass ein gewisser Gedney in den USA einen PostDoc sucht und dass diese Stelle doch wohl ziemlich gut auf Jens passen würde. Jens hat sich die Anzeige im Internet mal angeschaut und so gedacht, jau das ist was für mich. Dann hat er sich hingestzt und dem Gedney eine email geschrieben, pass auf, ich pass auf Deine Stellenausschreibung, würde mich auch gerne bewerben, aber ich habe da ein Problem, meine Frau hat auch gerade Ihren Doktortitel in theoretischer Elektrotechnik gemacht und wir wollen unsere Wochenendehe nicht auf eine transatlantische Ehe ausweiten. Antwort aus den USA: Kein Problem schickt beide eure Unterlagen. Das haben wir dann mal getan. Auch die Leute, die wir gebeten hatten uns Referenzen zu schreiben haben das glücklicherweise recht schnell getan. Die Antwort aus den USA kam dann auch schnell: Stephen Gedney wollte ein Telefon-Interview mit uns führen. Das kam dann recht praktisch, da wir zu Pfingsten beide bei meinen Eltern waren und konnten dann an dem Pfingstmontag, der in Amerika ja kein Feiertag ist, über den Computer dieses Interview gemeinsam überstehen. Klang wirklich vielversprechend! Innerhalb der nächsten Woche sollten wir eine Nachricht bezüglich Zu- oder absage erhalten.

Wir sassen wie auf heissen Kohlen. Wenn dann sollten wir nämlich am besten schon im August in den USA eintreffen. Das war ja nun knapp geplant. Am dreissigsten Mai haben wir dann schliesslich noch einmal nachgefragt, wir mussten ja unsere Wohnungen kündigen und in Deutschland gibt es ja nun mal die dreimonatige Kündigungsfrist! Das scheint dann schliesslich den letzten Stein ins Rollen gebracht zu haben, und wir haben an dem Freitag, dem 31. Mai eine email mit der Zusage zum neuen Job erhalten. Beide!

Also haben wir beide uns ans Telefon gehängt und erst mal unsere Wohnungen gekündigt. War gar nicht so einfach, da am Donnerstag vorher Fronleichnam und damit Feiertag in einigen Bundesländern war und viele den Freitag als Brückentag genutzt hatten. Aber wir haben gehofft, allen rechtlichen Formen mit unserer Kündigung genüge getan zu haben. Hat dann schliesslich auch für beide Vermieter gereicht.

Juni und Juli 2002

Dann begann das grosse Planen und Organisieren. Unglaublich in wievielen Vereinen man so drin ist, und wieviele Versicherungen man so abgeschlossen hat! Rücksprache mit unserem neuen Chef ergab, dass er uns am liebsten schon am ersten August in Lexington und bei der Arbeit hätte. Doch nach nur wenigen Tagen &Uum;berlegung mussten wir ihm das dann wieder ausreden: Mein Vertrag ging noch bis Ende August und ich hätte einen Auflösungsvertrag mit meinem damaligen Chef aushandeln müssen, was mir wegen der paar Tage die ich im August noch arbeiten musste (ich hatte noch 18 Tage Resturlaub) nicht sehr weise erschien. Ausserdem war uns mittlerweile aufgegangen, dass doch noch jede Menge zu Organisieren war und nicht zuletzt mustten wir ja noch Visa beantragen. Also haben wir uns auf einen Arbeitsbeginn am ersten September geeinigt und Jens und ich wollten dann ca. 14 Tage vorher nach Amerika fliegen.

Was nimmt man mit, was bleibt da? Ziemlich schnell war klar, dass wir unsere Elektrogeräte alle nicht mitnehmen konnten, da die USA ja mit 110Volt und 60Hertz arbeiten. Ansonsten haben wir mal Zettel aufghängt und Leute gefragt, ob nicht jemand unsere Wohnungen mit einem Teil der Möbel übernehmen wollte. Wollte leider keiner, die Wohnung in Kiel lag in den Augen der meisten Leute im falschen Stadtteil und die Wohnung in Kassel war den meisten Leuten zu teuer.

Ein Flug musste gebucht werden. Also bin ich ins Reisebüro. Wenn es Mitte bis Ende August überhaupt Flüge gab, dann nur zu horrenden Preisen. Also ist Jens den nächsten Tag noch mal in Kiel ins Reisebüro marschiert. Dort gab es dann einen etwas günstigeren Flug, One-Way, nach Knoxville (Da wohnt Geri, Jens ehemalige Gastmutter), aber erst am 23. August. War ja nicht zu ändern, den haben wir dann mal gebucht, obwohl wir gerne schon ein Wochenende früher geflogen wären.

Ansonsten schauten wir uns im Internet und in den Gelben Seiten um, wie wir denn wohl unser Hab und Gut nach Amerika tranportieren könnten. Wir wollten einen Container mieten, in den unsere schöneren Möbel, alle Bücher, sonstige Sachen und schliesslich unsere Motorräder hinein sollten. Versicherungen haben wir gekündigt, Telefone gekündigt, Mitgliedschaften in Vereinen gekündigt. Unsere Visa haben wir beantragt. Dafür muss man heutzutage die Formulare und die Pässe mit der Post nach Frankfurt (jedenfalls, wenn man wie wir seinen Hauptwohnsitz in Hessen hat) schicken. Kann dauern, sagte uns die Telefon Hotline, 6 bis 8 Wochen.... Und es war doch schon Ende Juni. Jens versucht zwischendurch auch immer wieder, klare Gedanken zu fassen und seine Diss voranzubringen. Eigentlich will er noch vor dem Abflug abgeben.

Ein Wochenende kommen meine Eltern nach Kassel und helfen mit, Sachen zu sortieren und auch wegzuwerfen (es ist schon schrecklich, was man so alles angesammelt hat im Laufe der Jahre, Dinge die man nie wieder benutzen wird oder anziehen wird und von denen man sich trotzdem nicht trennen mag). Sie fahren nach dem Wochenende mit einem vollbepackten Auto wieder nach Leer, da sie schon eine ganze Menge Sachen, die wir bei ihnen einlagern können mitgenommen haben. Das gleiche Spielchen haben wir dann drei Wochenenden später in Kiel. Aussortieren, schon mal einpacken, wegwerfen, verschenken. In diesen Tagen wurde der Altpapier Container ein oft besuchter Nachbar.

August 2002

Wir haben erfahren, dass wir unsere Motorräder nun doch nicht mitnehmen können. Die Amis stellen sich an. Jens Maschine kriegen wir erst gar nicht ins Land und meine müssten wir für ca. 3000 Dollar umbauen lassen. Das ist es dann doch nicht wert, zumal uns keiner garantieren kann, dass wir danach wirklich eine Betriebserlaubnis füdie Maschine erhalten.

Unsere Visa sind endlich da. Jetzt kann ja nur noch alles gut gehen. Denkste!

Die Planung ist, dass am 13. und 14. August unsere Wohnungen leergeräumt werden und wir dann noch eine Woche in Ruhe bei meinen Eltern verbringen. Dafür muss ich jetzt dringend einen Vertrag mit einer Möbelspedition unterschreiben, damit der Zeitplan noch einzuhalten ist. Da finde ich auf diesem Vertrag ein Feld in dem ich den Wert des Transportgutes angeben soll, da darüber die Versicherungssumme festgelegt wird. Wieviel sind unsere Möbel und alles andere wert? 10.000 Euro? Kann eigentlich nicht, dafür haben wir viel zu zusamnegesuchte Möbel, von denen ein Grossteil ja gar nicht mit soll. Jens anrufen: " Was sind unsere Möbel wert?" Jens: "keine Ahnung, 10.000?" Ich:"Bin ich mir nicht sicher, lass uns mal rechnen" Wir kommen auf einen Wert zwischen vier und fünftausend. Das Problem ist, der Container soll siebentausend kosten. Ich rufe meine Mutter an (meine Eltern sind freundlicher Sponsor vieler unserer Möbel). "Mama, was sind unsere Möbel und sonstigen Sachen wert? Mehr als siebentausend?" Die Antwort ist leider so niederschmetternd, wie ich sie jetzt schon fast erwartet habe. Nein, natürlich nicht. Eher so in der Grössenordnung, die auch Jens und ich ausgerechnet haben. Da schwimmt er, unser Container, und mit ihm alle Planung.

Wir haben anderthalb Wochen, um möglichst viel unserer Klamotten an den Mann zu bringen. Der neue Plan ist: Mein Vater mietet am Donnerstag den 15. August einen grossen Transporter, mit dem er erst nach Kassel fahren will, dort laden wir meine restlichen Möbel und alle anderen Sachen auf, dann fahren wir nach Kiel, machen dort das gleiche mit Jens restlichen Klamotten und bringen dann alles nach Leer, wo wir einen Teil der Dinge einlagern können.

Nächste Krise: Eines morgens werden wir wach und hören im Radio einen Bericht, dass United Airlines Pleite gemacht hat. Sind jetzt auch unsere Tickets hinfällig? Zum Glück ist es nicht ganz so schlimm, die Fluggesellschaft wird weiterhin alle Flüge anbieten!

Vorher muss jedoch so viel wie möglich unserer Sachen aus den Wohnungen verschwinden. Eigentlich finde ich es unglaublich wieviel wir noch verkaufen konnten, manche Sachen haben wir auch einfach nur verschenkt, da wir nicht wollten, dass sie auf dem Sperrmüll landen (da hätten wir das Zeug ja auch noch hinkarren müssen). So wurden die Wohnungen immer leerer, aber leider nicht leer genug. Bei einer Affenhitze haben wir an dem besagten Freitag morgen alle meine Möbel in den Transporter geschleppt, was dank einiger Helfer auch in einer ziemlich kurzen Zeit geschah, aber leider war der Transporter hinterher fast voll. Also mussten wir wohl oder übel erst nach Leer fahren und dort ausladen. Danach war die Garage meiner Eltern fast voll. Nach ein paar Stunden Schlaf sind wir am Samstag morgen um drei wieder los nach Kiel. Auch hier wurde der Transporter noch einmal fast voll. Dabei waren wir so stolz gewesen, was wir alles losgeworden sind in der kurzen Zeit!

Wie gut, dass so schönes Wetter ist. Wir schwitzen uns zwar dumm und dälich, aber, da nicht alle unsere Sachen in die Garage passen, können wir wenigstens noch Sachen in die Veranda und draussen hinstellen. Ich glaube, Mama und Papa fühlen sich im Moment nicht so wohl in ihrem Haus.

Ab Sonntag beginnt dann das grosse Sortieren. Nochmal: Was geht mit (4 Koffer/Reisetaschen, pro Stück sind 32 kg erlaubt), was geht auf den Dachboden, was kann man vielleicht anderswo unterbringen, was geht auf den Sperrmüll? Ich habe eine Krise nach der anderen. Ich glaube ich bin gerade ziemlich unerträglich. Und ständig fragt irgendwer, ob ich mich denn schon freuen würde, oder nervös sei wegen des Umzugs. Keine Ahnung, kann ich da nur sagen, ich habe noch nicht mal Zeit darüber nachzudenken.

Endlich ist etwas Ordnung zu erkennen, auch wenn immer noch nicht alles verschwunden ist. Aber das lässt sich jetzt leider nicht mehr ändern. Es ist Donnerstag und Jens und ich schwitzen ein letztes mal, um unsere Koffer zu packen. Wenn alles grob vorgepackt ist nimmt Jens die Taschen und steigt auf zwei verschiedene Personenwaagen, um sicher zu stellen, dass wir kein Übergewicht haben. Schliesslich ist alles gepackt. In der Zwischenzeit hat Mama den Wohnwagen fertig gepackt, da die beiden von Frankfurt aus direkt in den Urlaub durchstarten wollen. Als unsere Koffer im Wohnwagen und im Auto verstaut sind, sind wir mit dem Wohnwagen sicher sehr nah dran am Übergewicht, das wir bei den Koffern selber vermieden hatten.

Alles verstaut, noch ein letzter Check, dass wir Tickets und Reisepässe haben und dann geht es los. Erst noch einen Tankstop in Holland dann ein kurzer Besuch bei Oma, und weiter geht es gen Süden. Kurz vor Mitternacht sind wir in Frankfurt auf dem Campingplatz.

Am nächsten morgen müssen wir wieder früh raus. Jens und ich müssen mit der S-Bahn zum Flughafen, der R&uumcksitz vom Auto ist mit unseren Koffern besetzt. Am Flughafen treffen wir uns alle wieder, auch Jens Tante und Onkel sind noch zum Abschied gekommen. Schnell zum Einchecken. Hier gibt es noch ein paar kritische Fragen wegen unseres Tickets. Warum wir denn nur ein One-Way Ticket hätten. Die Amerikaner würden so etwas gar nicht gerne sehen. Tja, hat uns keiner gesagt und jetzt können wir auch nichts mehr daran ändern.

Wir haben noch eine gute Stunde Zeit, die wir mit unseren Familien zum Schwatzen und Kaffeetrinken nutzen. Dann durch die Passkontrolle und zum Gate. Jetzt geht es wirklich los....

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Regina Hannemann